Gartenprogramm mit Demenz-WG

GAG unterstützt Gärtnern in Demenz-WG

Aufblühende Erinnerungen

Arbeiten im Garten erdet, macht Spaß, befreit. Außerdem macht es Freude zu sehen, was man mit seinen eigenen Händen geschaffen hat, wenn die Pflanzen blühen und gedeihen. Nicht von ungefähr zieht es viele Menschen wieder mehr ins Grüne, in eigene Gärten. Warum also nicht auch Menschen mit Demenz am Erlebnis Natur und Gärtnern teilhaben lassen?

Die Idee war geboren. Umgesetzt wird sie seit März 2015 in der Demenz-WG „Zum Rosengärtchen GbR“ in Bickendorf in Kooperation mit „UrbanGrün – Ideen für Stadt, Mensch, Natur“, Impulsgeber und Projektentwickler in Natur- und Umweltbildung. Während einer sechsmonatigen Projektphase besuchten zwei Mitarbeiterinnen von „UrbanGrün“ die WG einmal in der Woche für jeweils zwei Stunden und nahmen die Bewohnerinnen und Bewohner mit in den Garten.

Das Gärtnern in den Alltag einbinden

Zunächst wurde erprobt, inwiefern gärtnerische und damit zusammenhängende Tätigkeiten in den Alltag der in der WG lebenden Menschen integriert werden können und welche positiven Einflüsse sie haben. Wichtige Voraussetzungen für den Projektaufbau waren der Einsatz von im Umgang mit älteren Menschen und dem Gärtnern erfahrenen Mitarbeiterinnen und die geeignete Gestaltung des Gartens. Er wurde so gestaltet, dass Menschen mit Demenz sich sicher und geschützt fühlen. Eine Sitzecke mit Sonnenschirm und Bank bietet eine Ruhemöglichkeit. Hochbeete erleichtern Menschen im Rollstuhl oder mit Rollator die Mitarbeit.

 

Bepflanzung, mit der gearbeitet werden kann

Eine wichtige Rolle spielte auch die Art der Bepflanzung. Dabei stand nicht einfach schönes Aussehen im Vordergrund, sondern es ging darum, etwa Kräuterbeete anzulegen, Erdbeeren zu pflanzen oder Gemüse zu ziehen. Beete und Pflanzen also, die regelmäßiger Pflege und Arbeit bedürfen, die am Ende aber auch eine Ernte hervorbringen.

Beim wöchentlichen Rundgang durch den Garten können die Bewohnerinnen und Bewohner Veränderungen in der Natur bewusst wahrnehmen. Und durch Aktivitäten im Garten wie Säen, das Einsetzen von Pflanzen, Gießen, Düngen, Ernten, Kränze binden oder Kräuter trocknen und verarbeiten wird der Wechsel der Jahreszeiten erfahrbar.

Erinnerte Handgriffe und bekanntes Terrain

Über Tätigkeiten, die die Bewohnerinnen und Bewohner bewältigen können, werden sie ein Stück weit aus ihrem gewohnten Alltag entführt und können ihre Fähigkeiten erleben, ihr Selbstbewusstsein stärken. Das funktioniert auch deshalb so gut, weil die Gartenarbeit bei vielen heute älteren Menschen früher fester Bestandteil des Alltagslebens war. So können sie an Erfahrungen anknüpfen, bewegen sich auf bekanntem Terrain. Erinnerungen werden geweckt, und von früher bekannte, weil häufig gemachte Handgriffe, werden erinnert, sind so auch motorisch abrufbar und beherrschbar. Das bietet Sicherheit.

Und natürlich wird im Garten auch viel gelacht, bisweilen auch gesungen. Hören, Riechen, Sehen, Fühlen, Schmecken – das alles ermöglichen die angebotenen Tätigkeiten im Garten. Und so wirkt das Gärtnern in der Natur insgesamt beruhigend auf die Bewohnerinnen und Bewohner der WG.

Wirkungen des Gartenangebots:

  • Verbesserung der Motorik und Koordination
  • Anregung der sinnlichen Wahrnehmung
  • Entfaltung von Kreativität
  • Erfahrung eigener Fähigkeiten, dadurch Stärkung des Selbstvertrauens
  • Kräftigung des Muskelapparates
  • Gedächtnistraining durch Anknüpfen an Erfahrungen
  • beruhigende Wirkung

Vorbild für ähnliche Projekte

Nach den positiven Erfahrungen in der Pilotphase beschlossen die Angehörigen der in der Demenz-WG lebenden Menschen, UrbanGrün und die GAG Immobilien AG, die Kooperation fortzusetzen. Die hier gemachten Erfahrungen sollen nun ähnlichen Folgeprojekten als Leitfaden dienen.