Veedels-Porträt: Esch
In dieser Rubrik betrachten wir das Leben und Wohnen in Köln. Vom ebenso bunten wie friedvollen Treiben im Kölner Norden haben wir uns für unser aktuelles Veedels-Porträt inspirieren lassen.


Es ist immer wieder faszinierend, wie unzureichend die Rheinmetropole vielerorts die eigenen Klischees erfüllt. Der Dom mit seinem Touristengewusel fühlt sich in Esch kaum näher an als der schiefe Turm von Pisa. Dreck und Drogen rund um den Neumarkt glücklicherweise auch. Die Partymeile heißt hier Kirchgasse, die angesagtesten Locations sind der Biergarten Goebels und das Café Miró. Dort haben sich Ursula Rändel, Hildegard Zeyer und Ulla Lappe verabredet und erzählen von der Escher Szene.
Die drei feschen Escherinnen lieben das Leben rund 25 Autominuten vom Zentrum entfernt, sie engagieren sich in der Dorfgemeinschaft e. V. und sie schreiben für „Esch aktuell“, das Veedelsmagazin. Mehr Lokalkompetenz geht nicht. „Wir kümmern uns aber nicht um alles“, stellt Ursula Rändel klar. „Das Thema Verkehr z. B. gibt’s bei uns – anders als in anderen Bürgervereinen – nicht.“
Was es aber gibt, ist mehr, als sich bei einem Kaffee erzählen lässt. Eine Auswahl: das Dorffest, an dem sich die meisten Vereine und Initiativen des Stadtteils beteiligen, die „Sommer in Esch“-Konzerte mit Jazz- und Liedermachermusik auf dem Spielplatz an der Andreasstraße, das Format „15 Minuten mit Text und Musik“ von Matthias Haarmann, dem Kantor der Kirchengemeinde St. Martinus sowie Martinszug, Adventsmarkt und Sommerprogramm für Familien mit Ausflügen, Rallyes und Radtouren.
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Die Escherinnen und Escher, das ganze Jahr am Fiere, Danze, Laache – ein Veedel für Eskapisten? Nicht ganz. Ein Areal an der Auweiler Straße erinnert Tag für Tag daran, dass es in der Welt oft alles andere als fröhlich zugeht. Seit 2015 bringt die Stadt Köln in den 40 Behelfswohnungen Familien unter, die nach Deutschland geflohen sind.
Die einfachen Bauten erfüllen wohl ihren grundsätzlichen Zweck, Menschen aus Kriegs- und Krisengebieten ein vorübergehendes Obdach zu bieten. Für einige Personen sind sie aber längst zur Dauerlösung geworden. Die syrische Kurdin Dilveen Rasho lebt mit ihrem Mann bereits seit 2015 in einer der Wohnungen, ihre beiden Kinder wurden hier geboren.
Seit die Stadt die Mieten für Bewohnende, die einer Arbeit nachgehen, drastisch erhöht hat, zahlt Dilveens Familie weit mehr als 1.000 Euro für 65 Quadratmeter. „Eindeutig zu viel“, sagt sie. Hildegard Zeyer von der Dorfgemeinschaft ist empört: „Die Zustände vor Ort sind auf Dauer unerträglich. Und die Chancen, auf dem normalen Markt eine Wohnung zu finden, werden immer schlechter.“
„In Esch gefällt uns alles“
Insofern hat Familie Merza, vor dem Islamischen Staat aus dem Irak geflohen, das große Los gezogen. Seit einigen Jahren leben die Eltern Nazar und Milad mit Oma, Sohnemann und sechs Töchtern (Rania, 6 Jahre alt, Elaf, 11, Tolin, 12, Nasreen, 13, Darin, 15, und Hajer, 16) in einem Einfamilienhaus. „In Esch gefällt uns alles“, sagt Milad. „Es ist ruhig, die Kinder können auf der Straße spielen, die Schulen sind gut erreichbar. Und an den Wochenenden machen wir schöne Radtouren.“
Nur einen zieht es in die große weite Welt: Ramyar, 10 Jahre alt, will mal Fußballprofi werden. Ein Anfang ist gemacht. Die Fäden im offensiven Mittelfeld zieht er allerdings nicht bei den Nachwuchskickern des SV Auweiler-Esch, sondern bereits ein paar Klassen höher: beim FC Pesch.

In einer Liga mit den Peschern spielt auch die SpVg. Flittard. Um die geht es aber gar nicht so sehr, sondern um die anderen liebenswerten Eigenheiten dieses rechtsrheinischen Veedels direkt am großen Fluss. Und die stehen im Mittelpunkt bei unserem nächsten Veedelsporträt.
Text: Sebastian Züger
















