Die Schreibwerkstatt unterwegs
Die Schreibwerkstatt der GAG „Lust auf Schreiben?“ war und ist unterwegs. Neben den regelmäßigen Schreibtreffen haben die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch einiges mehr unternommen.

Lesenachmittag in der Schreibwerkstatt Pohlmannstraße
Das Motto „Schreiben an anderen Orten“ inspirierte die Gruppe, die bereits seit 2018 gemeinsam kreative Gedanken zu Papier bringt. Und schnell war klar: Es gibt viele Orte, an denen sich schreiben lässt. Schreiben in der Bahn war ein Favorit, der Besuch der Fotoausstellung AMAZONIA im Rautenstrauch-Joest-Museum ein Highlight. Und nach einem Rundgang über den Südfriedhof in Zollstock wurde das Café zum Schreibort.
Jeder dieser Orte bot neue Eindrücke und Gelegenheiten, Worte und Sätze aufs Papier fließen zu lassen. Erinnerungen tauchten auf, Ansichten veränderten sich, Beobachtungen wurden zu Geschichten. Denn Schreiben hält Momente und Gedanken fest, die im Alltag schnell wieder verloren gehen.

„Wir erzählen Geschichten"
Biografische und fiktive Geschichten, Texte und Gedanken, verfasst und vorgetragen von den Autorinnen und Autoren der Schreibwerkstatt „Lust auf Schreiben“:
Freitag, 02. Oktober 2026, 15 Uhr, Seniorenwohnanlage Pohlmanstraße 13, 50735 Köln
Mittwoch, 07. Oktober 2026, 15 Uhr, Mehrgenerationen-Wohnprojekt Ledo, Reeser Straße 15, 50735 Köln
Im Anschluss Gespräche und ein reger Austausch bei Kaffee und Kaltgetränken.
In einem waren sich alle einig: Das gemeinsame Schreiben an anderen Orten öffnet nicht nur neue Perspektiven auf Vergangenes, sondern schärft auch den Blick für das, was gerade geschieht. Und schreiben können alle, die ihren Gedanken Raum geben und sie in eine Form bringen möchte. So entstehen Geschichten – und manchmal auch Gedichte.

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Kostproben
Im Laufe der Jahre sind in der Schreibwerkstatt viele Texte entstanden – manche erst vor Kurzem, andere schon vor längerer Zeit. Eine kleine Auswahl von Textanfängen gibt Ihnen einen Vorgeschmack auf die Geschichten, die beim Lesenachmittagen zu hören sein werden.
Liebe Ellen!
Du kannst stolz auf dich sein, wie du mit dieser Reise deine immer noch großen Reisewünsche und -träume umgesetzt hast. Es gab auch damals schon deutliche Grenzen für die Umsetzung von Reiseträumen: körperliche Handicaps und abnehmende Kräfte, wenig finanzielle Ressourcen.
Durch die Möglichkeit, neun Tage bei Harry und Elke zu wohnen und dann noch für fünf Tage ein relativ günstiges Hotel zu finden, konntest du ganze vierzehn Tage unterwegs sein, eine Gegend von Deutschland erkunden, die du nicht kanntest.
Was du am Reisen mit Ria in Afrika so geschätzt hast – dich nicht nur als Touristin fremd zu fühlen – das konntest du mit Harry und Elke auch erleben.
Wie lebt man in einer ostdeutschen Kleinstadt ein, wo . . .
Autorin: Ellen Unverzagt
Das Leben strahlte. Unbekümmert eilte es von Tag zu Tag, und als seine Schritte langsamer wurden, schienen ihm Tage und Jahre umso schneller zu vergehen. Vergehen . . .
Als das Leben einmal unbedacht nach vorn schaute, sah es am Horizont eine Gestalt stehen, die sich nicht bewegte, so, als wartete sie auf jemanden. Zögernd näherte sich das Leben der Gestalt, die ihm mit jedem Schritt bedrohlicher und vertrauter zugleich erschien. Wer wartete da?
Für einen kurzen Moment schien die Zeit stillzustehen, als beide auf Augenhöhe waren. Zugleich fühlte das Leben seine Lebendigkeit so intensiv wie nie zuvor. „Ich kenne dich“, wandte es sich an die Gestalt. „Ich habe dich schon einmal gesehen. Ich glaube, es war eine Party. Nein, warte, es war eher eine traurige Zusammenkunft. Wer bist du?“ . . .
Autorin: Maria-Anna Worth
Was man weiß, muss man auch glauben. Ich weiß schon lange, was ich tun sollte, Bewegung und Vollkorn, Selbstmitgefühl und Achtsamkeit, Haferschleim und 10000 Schritte. Aber ich glaubte es nicht. Ich erwartete, dass – nennen wir es Schicksal – das Schicksal die verdammte Pflicht und Schuldigkeit habe, mich mit Wattebäuschchen zu streicheln – ist ja wohl nicht zu viel verlangt, oder?
Was es auch lange Jahre tat. Aber dann gefiel es ihm, den Holzhammer auszupacken . . .
Autor: Gunar Barg
Um gelungene Fotos zu bekommen ist sie extra ein Stück weit auf den Felsen geklettert.
Von dort aus waren die brandenden Wellen des Meeres besonders gut zu sehen und zu fotografieren. Der Fels in der Brandung steht sicher, sie steht es nicht!
Sie ist den Naturgewalten ausgesetzt!
Selbst gewählt – Nur für ein Foto!
Ganz schön leichtsinnig, wenn sie heute zurückblickt.
Aber damals war sie jung, spontan und handelte oftmals unüberlegt.
Heute, im Alter, wäre sie gerne ein Fels in der Brandung, empfindet sich aber zuweilen eher als „Sand im Getriebe“, vor allem im Getriebe der anderen . . .
Autorin: Mechthild Waringer
Wie die Geschichten weitergehen? Das erfahren Sie bei den diesjährigen Lesenachmittagen in Niehl.
Text: Jörg Fleischer




